Entstehung

Die Entstehung – Ein Erfahrungsbericht vom Ehepaar Schwake

Wie so oft sind es Begegnungen, die das Leben grundlegend ändern können.
Als wir 2010 Freunde in Iringa besuchten, erkundeten wir die Stadt mit ihren vielen Straßen und Gassen.

CIMG1278k Wir entdeckten eine Metalltür, die die Aufschrift „Physiotherapie“ trug. Natürlich ist es für einen Orthopäden bzw. Rehamediziner selbstverständlich, hier mal anzuklopfen, um dann mit einem „you are welcome“ freundlichst begrüßt zu werden.
Eine energiesprühende Physiotherapeutin und ihre helfende Hand erzählten uns von der Situation der Menschen mit Behinderung und besonders der Kinder.
Die Geschichte von Andy Hard erreichte auch unser Herz:
„Als Tierarzt hatte er vor einigen Jahren Hühner untersuchen wollen. Auf seinen Fahrten durch die Dörfer griff er somit unter so manchen Bastkorb, unter dem die Tiere lebten. Doch einmal ergriff er ein kleines Bein von einem Kind und war zutiefst getroffen, als er merkte, dass behinderte Kinder versteckt werden, um der Scham vor den Nachbarn und Mitmenschen zu entgehen.“ (siehe www.neemacrafts.com )

Sein Entschluss stand fest: er wollte etwas für die Menschen mit Behinderung tun. So entstand die Idee, aus der heute „Neemacrafts“ als Arbeitsstätte für Erwachsene mit Behinderung  hervorgegangen ist.“

Auch uns bewegte diese Begebenheit und vor allem die Liebe, mit der die junge Physiotherapeutin sich um die Kinder kümmerte, die zu ihr gebracht wurden. Das „Dr. Hans, I would like to work with you!“ war für uns die erste konkrete Anfrage, die unser Herz berührte.

Ein Jahr lang bewegten wir diesen Gedanken hin und her und loteten die Möglichkeiten aus, dieses Vorhaben anzugehen. Auch entdeckten wir, dass es wohl unmöglich ist, an einem Krankenhaus zu arbeiten, da das Gehalt nicht für die Versicherungen in Deutschland ausreichen würde.
Eine deutsche Physiotherapeutin, die dort auch ein Jahr lang mitarbeitete, schrieb einen ersten Entwurf, wie eine Rehabilitation für Kinder aussehen könnte.

CIMG1256k 2011 fuhren wir  wieder nach Iringa und lernten den Bischof Joseph N Mgomi der anglikanischen Kirche kennen.
Er war sehr interessiert, etwas für Kinder zu tun, aber hatte keine Finanzen frei. Zur Unterstützung der Arbeit von Neemacrafts war ein Gästehaus im Aufbau, das durch seine zukünftigen Einnahmen das gesamte Projekt unterstützen sollte.
Doch sein Wunsch, etwas für Kinder zu tun, weckte in uns den Wunsch, mehr über Reha in Afrika zu lernen und der gestellten Anfrage weiter nachzugehen.
Wir besuchten Rehaeinrichtungen: CCBRT in Daressalam und den Ableger in Moshi, Usa River und Sibusiso im Norden des Landes.

Ein Jahr lang arbeiteten wir mit den gewonnenen Erkenntnissen eine Projektbeschreibung aus, recherchierten die Situation der Menschen, besonders der Kinder mit Behinderung in Tansania und die Möglichkeiten, Rehamaßnahmen zu ergreifen.
Wir lernten viele Organisationen kennen und deren Schwerpunkte der Förderung.
2012 kehrten wir nach Tansania zurück. Bishop Joseph N Mgomi fragte konkret unsere Hilfe für den Aufbau einer Rehabilitationseinrichtung für Kinder mit Behinderungen an und wir erarbeiteten einen differenzierten Projektplan aus, lernten weitere Organisationen kennen und fragten mehrere Organisationen um Unterstützung an.

2013 stellten wir Horizont 3000, einer österreichischen Organisation, das Projekt vor, die uns dann leider wegen staatlicher Kürzungen der Gelder für Entwicklungshilfe  doch nicht senden konnte.

Ende 2013 gründeten wir mit Hilfe von Freunden einen Förderverein, der für die laufenden Kosten der medizinischen Versorgung der Kinder sorgen will. Er wurde Anfang 2014 vom Finanzamt anerkannt.

2014 sagte Christliche Fachkräfte International  CFI zu, uns als Entwicklungshelfer schicken zu wollen. Es folgten Vorbereitungsseminare und Vertragsabschlüsse.

Ab 1. Oktober begann nun der Vorvertrag und 29.12.2014 ist der Tag der Ausreise nach Tansania.

2015 Start in Iringa / Tansania

Renovierung des Einfamilienhauses und Vorbereitung des Geländes.

Offizielle Eröffnungsfeier von „NeemaRehabilitation clinic“ am 15. Juli 2016

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Eine feierliche Eröffnung einer Einrichtung wie die unserer Klinik ist auch hier in Tansania sehr wesentlich, um Verantwortliche der Stadt, Mitarbeiter im Gesundheitswesen und auch Einwohner auf das neue Angebot aufmerksam zu machen.

Für uns war die Frage : Wie läuft diese Feier ab?

Wir hatten an Soda und einen kleinen Imbiss gedacht.  Doch haben wir vom Bischof verstanden, dass etwas mehr dazu gehört. Fünf Tage vor der Feier hat der anglikanische Bischof unsere Einladungsliste noch um weitere VIPs erweitert und die von uns vorbereitete Einladung mit beigelegtem Programm und einer Rednerliste ergänzt und den Eingeladenen zukommen lassen. So wurden jetzt zum Beispiel geschmückte Tische, umhüllte Stühle für die VIP, ein Rednerpult und ein Festessen nötig.

Wir mussten uns mit den Vorbereitungen sehr sputen und ein Glück: es fand so manches Wunder statt!  Wir fanden eine Dekorateurin und auch eine Köchin, die wiederum sehr kurzfristig Helfer gefunden und die benötigten Lebensmittel besorgen konnte. Dann konnte das Fest beginnen.

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Eingangsbereich der Klinik mit überdachter Terrasse

Zu Beginn trug sich jeder als erstes in das übliche Gästebuch ein.

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Nach einer feierlichen Begrüßung durch den Bischof und wurden die Redner eingeladen, ihr Wort zu ergreifen. Hans stellte das Projekt vor, erklärte Rehabilitation und lud die Anwesenden zur Zusammenarbeit ein. Vor allem aber erläuterte er das deutsche Vertändnis von Entwicklungshilfe als Unterstützung der bestehenden Arbeit  der Tansanier, die sich  für Menschen mit Behnderungen einsetzen, und unser Angebot der speziellen Ausbildung im Bereich Rehabilitation.

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Ansprache von Hans mit Boniface als Übersetzer

Von links: der Sekretär der Diözese, der Bürgermeister von Iringa,  der Parlamentsabgeordnete für Iringa aus Dar, der anglikanische und lutherische Bischof  und zwei Verantwortliche für Soziales in Iringa.

Es kamen ferner Mitarbeiter und  Ärzte  aus den verschiedenen Krankenhäusern aus der Region Iringas, Verantwortliche anderer Zentren und Organisationen von Tageseinrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Diese Verantwortlichen verstanden unsere Ziele sehr gut.IMG_3595wz

Der Parlamentarier  versprach uns in seiner sehr lebhaften Rede sehr eindrücklich seine Unterstützung.

Zum Abschluss wurde nach einer kurzen Klinikbesichtigung das Festessen serviert.

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Festessen in den Räumlichkeiten der Physiotherapy

Das Essen wurde von der Köchin in den üblichen großen Warmhaltebehältern, den Hotpots im Taxi geliefert und von ihr selbst und ihrem Team ausgeteilt.

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Tisch der Ehrengäste

Im Nachhinein sind wir sehr froh, die Feier in dieser Weise gestaltet zu haben, denn die Resonanz war sehr gut.

Anlässlich dieses Festes konnten wir auch unseren Flyer in Englisch und Kiswahili entwickeln und fertigstellen.

Registrierung im öffentlichen Gesundheitssystem von Tansania am 23.05.2016

Am 23.05.2016 wurde unsere Einrichtung als „NeemaRehabilitation Clinic“ im öffentlichen Gesundheitssystem Tansanias registriert. Es wurde mitgeteilt, dass die Unterlagen in Daressalam zur Abholung  bereitliegen. Einmalig wurde die Registrierungsgebühr  von 250 € erhoben.

Schon Anfgang Mai erhielten wir die Erlaubnis, in der Klinik mit zeitlich befristeter Erlaubnis Patienten zu behandeln. Es kamen auch immer wieder Anfragen zur medizinischen Behandlung von Bekannten, Freunden und den benachbarten Bewohnern der Klinik.

Seit der Registrierung dürfen wir nun unbegrenzt Patienten behandeln. Seitdem kommen nun auch schon jeden Tag Patienten.